Die Omega-3 zu 6-Ratio. Warum Fleisch nicht gleich Fleisch ist.

Fleisch ist nicht gleich Fleisch. Ein Hirsch und ein Rind aus Massentierhaltung haben völlig unterschiedliche Lebensbedingungen – und diese Unterschiede können sich in der Nährstoff-Zusammensetzung des Fleisches und der Organe widerspiegeln

Das Wild verbringt seinen Tag an der frischen Luft im Wald: Es bewegt sich ständig, frisst eine Vielfalt an Gräsern und Wildkräutern und ist natürlichem Sonnenlicht ausgesetzt. Das Tier aus ungünstiger Haltung steht bei Kunstlicht im Stall, frisst Futter aus linolsäurereichen (=Omega-6) Quellen wie Getreide und Soja, hat kaum Bewegung und lebt oft unter Stress.

Diese Unterschiede sind nicht oberflächlich – sie beeinflussen den Stoffwechsel des Tieres grundlegend. Ein Tier, das sich frei bewegen kann, mit natürlicher Ernährung, entwickelt dabei andere Fettsäuren-Profile. Dieser Unterschied zeigt sich deutlich in der Fleisch-Zusammensetzung, insbesondere beim Fettsäure Verhältnis von Omega-3 zu Omega-6:

·       Weiderindfleisch: Omega-6 zu Omega-3 Ratio ca. 3 : 1 (1)

·       Wild (Hirsch, Reh): Noch bessere Ratio, teilweise 2 : 1

·       Rindfleisch aus industrieller Massenhaltung: Omega-6 zu Omega-3 Ratio ca. 8 : 1 oder höher

Was ist Omega-3 und Omega-6 überhaupt?

Dein Hund braucht beide Fettsäuren. Sie sind essenziell, müssen also zwingend über die Fütterung zugeführt werden, da der Körper sie nicht selbst herstellen kann. Aber wie bei vielem im Leben kommt es auf die Balance an.

·       Omega-3: wirkt entzündungshemmend, wichtig für Gehirn, Augen, Immunsystem und Zellen

·       Omega-6: braucht der Körper auch, aber ein deutliches Zuviel kann Entzündungen fördern

Arachidonsäure – die Menge macht’s

Arachidonsäure ist eine Omega-6-Fettsäure und für den Körper durchaus wichtig. Aus ihr entstehen unter anderem sogenannte Eicosanoide – Botenstoffe, die bei der Regulation von Entzündungs- und Immunprozessen eine Rolle spielen. Entzündungen sind dabei zunächst etwas ganz Natürliches: Sie helfen dem Körper, auf Verletzungen oder andere Belastungen zu reagieren.

Problematisch kann es eher werden, wenn langfristig sehr viel Arachidonsäure zur Verfügung steht. Dann kann sich das Gleichgewicht bestimmter Botenstoffe in Richtung entzündungsfördernder Prozesse verschieben. Es geht also nicht darum, Arachidonsäure zu vermeiden, sondern um die richtige Balance.

Auch die Fleischquelle spielt dabei eine Rolle. Was ein Tier frisst, beeinflusst die Zusammensetzung seines Fleisches – und damit auch dessen Fettsäureprofil. Wildfleisch kann deshalb ein anderes Verhältnis verschiedener Fettsäuren aufweisen als Fleisch von Nutztieren.

Für Hunde bedeutet das: Arachidonsäure ist weder grundsätzlich gut noch schlecht. Entscheidend ist die Menge und vor allem das Zusammenspiel mit den anderen Fettsäuren in der gesamten Ernährung.

Für Hunde kann die Quelle des Fleisches einen Unterschied machen, als wertvolle Grundlage einer ausgewogenen Ernährung.

Übrigens: Rotes Fleisch steht beim Menschen seit Jahren in der Kritik – Stichwort „Herzerkrankungen”, „Entzündungen” oder gar Krebs. Aber die wenigsten Studien unterscheiden dabei, ob es sich um Weidefleisch oder Industriefleisch handelt. Der Kontext fehlt fast immer. Möglicherweise ist nicht das Fleisch das Problem – sondern die Art, wie das Tier gelebt und vor allem, was es gefressen hat oder die Art der Verarbeitung des Fleisches selbst.

(1) https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC13012854/?utm_source=chatgpt.com

Anja Moritz

Als zertifizierte Hunde-Ernährungsberaterin (Ausbildung nach Swanie Simon & Nadine Wolf) verbindet Anja wissenschaftliches Fachwissen mit echter Branchen-Erfahrung: Sie war jahrelang im Branding für renommierte Tierfuttermarken tätig. Derzeit erweitert sie ihre Expertise durch eine Ausbildung zum humanen Nähr- und Vitalstoff-Coach bei Dr. Krowicki, Dr. Lohse und M. Auerswald, um Mensch und Tier ganzheitlich zu unterstützen.

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