Wenn es um Langlebigkeit und Zellgesundheit geht, fallen schnell Namen wie NRF2 oder Sirtuine, über die wir hier bereits geschrieben haben. Dabei gibt es einen weiteren Akteur, der im Hintergrund arbeitet und oft übersehen wird: die FoxO-Proteine. Wer sich mit gesundem Altern beschäftigt, stößt früher oder später auf sie.
FoxOs sind Schutzschalter in den Zellen. Sie helfen bei Reparatur, Entsorgung und der Abwehr von oxidativem Stress. Mit zunehmendem Alter und bei Übergewicht arbeiten sie weniger gut. Ein gesundes Körpergewicht, eine ausgewogene Ernährung und Bewegung schaffen gute Voraussetzungen dafür, dass sie ihren Job machen können.
Was sind FoxO-Proteine?
FoxO steht für „Forkhead Box O“. Dahinter verbirgt sich eine Familie von Proteinen, die im Zellkern Gene an- und abschalten können. Beim Hund wie beim Menschen gibt es mehrere Varianten, von denen FoxO1, FoxO3 und FoxO4 am besten erforscht sind.¹
Man kann sich FoxOs wie die Schichtleitung einer Fabrik vorstellen: Läuft alles rund, halten sie sich im Hintergrund. Wird es stressig, etwa durch Schäden oder Energiemangel, schalten sie auf Schutzprogramm. Sie schicken Reparaturtrupps los, lassen Müll entsorgen und legen kaputte Maschinen still.
Was FoxOs in der Zelle steuern
FoxOs sind keine Spezialisten für eine einzige Aufgabe. Sie koordinieren gleich mehrere wichtige Prozesse:
Reparatur des Erbguts: FoxOs aktivieren Gene, die Schäden an der DNA erkennen und beheben. Das ist wichtig, weil sich solche Schäden mit dem Alter häufen.¹
Die zelluläre Müllabfuhr: FoxOs fördern die sogenannte Autophagie. Dabei baut die Zelle beschädigte oder verbrauchte Bestandteile ab und verwertet sie neu. Eine gut funktionierende Autophagie gilt als wichtiger Baustein für gesundes Altern.¹
Schutz vor oxidativem Stress: FoxOs schalten körpereigene Schutzenzyme ein, die freie Radikale unschädlich machen, bevor diese Schaden anrichten.¹
Regulation von Entzündungen: Unterschwellige, dauerhafte Entzündungsprozesse werden mit dem Altern in Verbindung gebracht. FoxOs sind an der Steuerung dieser Prozesse und der Immunantwort beteiligt.¹
Geordneter Abschied: Ist eine Zelle so stark beschädigt, dass sie nicht mehr repariert werden kann, können FoxOs ihren kontrollierten Zelltod einleiten. So verbleiben defekte Zellen nicht im Körper.¹
Ein eingespieltes Team
FoxOs arbeiten nicht allein. Sie sind eng mit anderen Schutzsystemen der Zelle verbunden. Die Sirtuine, vor allem SIRT1 und SIRT3, schalten FoxOs gewissermaßen „scharf“, wenn die Zelle Unterstützung braucht. Umgekehrt helfen aktive FoxOs den Kraftwerken der Zelle, den Mitochondrien, und verringern oxidativen Stress, was wiederum den Sirtuinen zugutekommt.¹ Mit NRF2 teilen sich FoxOs die Abwehr von oxidativem Stress, nutzen dafür aber unterschiedliche Wege. So ergänzen sich beide Systeme.¹
Wenn die Wächter nachlassen
Mit zunehmendem Alter, aber auch bei Übergewicht oder dauerhafter Belastung, kann die Steuerung der FoxOs aus dem Takt geraten. Eine wichtige Rolle spielen dabei zwei Botenstoffe des Körpers: Insulin und IGF-1, ein Wachstumsbotenstoff. Sind sie dauerhaft erhöht, wie es etwa bei Übergewicht vorkommen kann, bremsen sie die FoxOs.¹ Die Folge: Die Zelle kann sich schlechter anpassen und regenerieren.¹
Das ist einer der Gründe, warum ein gesundes Körpergewicht und eine ausgewogene Ernährung mit gesundem Altern zusammenhängen.¹
Was die Wächter unterstützt
FoxOs reagieren auf Lebensstil und Ernährung.¹ Ein dauerhaft überlasteter Stoffwechsel kann ihre Schutzfunktion dämpfen, ein ausgeglichener Stoffwechsel schafft dagegen gute Voraussetzungen. Entscheidend sind dabei Qualität und Menge des Futters: Mahlzeiten, die zu Gewicht, Alter und Aktivität deines Hundes passen, mit hochwertigem Protein, guten Fetten und ausgewählten pflanzlichen Zutaten, bilden eine gute Grundlage.
Auch der Darm spielt mit: Aus Ballaststoffen wie Akazienfaser bilden die Darmbakterien kurzkettige Fettsäuren wie Butyrat. Butyrat ist eine wichtige Energiequelle für die Zellen der Darmschleimhaut²˒³ und kann zudem mitbestimmen, welche Gene in einer Zelle abgelesen werden.⁵ Sekundäre Pflanzenstoffe wie Quercetin und Fisetin wurden in Laborstudien als mögliche Aktivatoren der Sirtuine beschrieben, wobei die Aussagekraft dieser frühen Befunde in der Forschung diskutiert wird.⁶
Neben der Ernährung beeinflusst auch regelmäßige, moderate Bewegung die Aktivität der FoxOs.¹
FoxOs beim Hund – was wir wissen
Die Forschung zu FoxOs beim Hund steht noch am Anfang. Die grundlegenden Abläufe in der Zelle sind bei Hunden aber sehr ähnlich wie bei anderen Säugetieren.¹ Ein spannender Hinweis kommt aus der Rasseforschung: Kleine Hunderassen leben im Durchschnitt länger als große und haben niedrigere IGF-1-Werte.⁴ Da IGF-1 die FoxOs bremst, könnten FoxOs auch beim Hund eine Rolle für die Lebenserwartung spielen. Direkt gemessen wurde das allerdings noch nicht.
FoxOs sind kein einzelner Schalter, den man einfach umlegen kann. Aber sie sind ein wichtiges Steuerelement in dem Netzwerk, das mitbestimmt, wie gut eine Zelle altert. Wer auf die Lebensgrundlagen seines Hundes achtet, also Ernährung, Bewegung und Körpergewicht, schafft gute Voraussetzungen dafür, dass diese stillen Wächter ihren Job machen können.
Quellen
¹ Martins R, Lithgow GJ, Link W. Long live FOXO: unraveling the role of FOXO proteins in aging and longevity. Aging Cell. 2016;15(2):196–207. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/26643314/
² Iftikhar M et al. Manipulation of Gut Microbiota Using Acacia Gum Polysaccharide. ACS Omega. 2021;6(28):17782–17797. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC8296006/
³ Patch C. What is the impact of dietary fibre and prebiotics on the microbiome and gastrointestinal health? Improve International – Clinical Library. 2023. https://improveinternational.com/uk/clinical-library/dietary-fibre-nutritional-management
⁴ Greer KA, Hughes LM, Masternak MM. Connecting serum IGF-1, body size, and age in the domestic dog. Age (Dordr). 2011;33(3):475–483. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/20865338/
⁵ Davie JR. Inhibition of histone deacetylase activity by butyrate. J Nutr. 2003;133(7 Suppl):2485S–2493S.
⁶ Howitz KT, Bitterman KJ, Cohen HY, et al. Small molecule activators of sirtuins extend Saccharomyces cerevisiae lifespan. Nature. 2003;425:191–196. https://doi.org/10.1038/nature01960
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine tierärztliche Beratung. Bei gesundheitlichen Fragen zu deinem Hund wende dich bitte an einen Tierarzt deines Vertrauens.

